Prognose · Peak 2010 (1995-2020)
Internet macht dumm / süchtig
Mit dem Aufkommen des Internets in den 90ern und besonders mit dem Smartphone ab 2007 begann eine ganze Welle von Untergangsprognosen: das Internet macht dumm, das Smartphone macht süchtig, soziale Medien zerstören das Gehirn. Bücher wie *The Shallows* (Nicholas Carr, 2010) wurden Bestseller. Eltern verboten Tablets, dann erlaubten sie Tablets unter strenger Zeit-Aufsicht, dann gaben sie auf. Was die Wissenschaft heute sagt: ja, exzessive Bildschirmnutzung hat messbare negative Effekte auf Schlaf und Konzentration. Aber nein, das Internet macht die Menschheit nicht durchschnittlich dümmer. Im Gegenteil: noch nie hatte so viele Menschen so viel Wissen so direkt zugänglich. Was geleistet werden muss, ist nicht der Verzicht, sondern die Disziplin im Umgang. Das gilt für Bücher seit 500 Jahren auch.
Manfred Spitzer's 'Digitale Demenz' (2012) wurde Bestseller — und gleichzeitig für wissenschaftliche Schwächen kritisiert.
Das Internet werde die Lese-Fähigkeit zerstören, das Gehirn schrumpfen, Kinder zu Zombies machen.
Lesen hat sich verlagert (mehr Online, weniger Print). Studien zur Aufmerksamkeit sind gemischt. Die Apokalypse blieb aus.
Teilweise wahr
Peak war 2010. Aus heutiger Sicht: teilweise wahr.
Zeit-Anker
Wer war 2010 dabei?
Wer damals Kind war, kennt „Internet macht dumm / süchtig" nicht aus dem Rückblick, sondern aus der Schule und den Nachrichten.
Während die Zeitungen warnten, entstand im selben Jahr Instagram.
Gut zu wissen
Was wurde rund um „Internet macht dumm / süchtig" (2010) befürchtet?
Das Internet werde die Lese-Fähigkeit zerstören, das Gehirn schrumpfen, Kinder zu Zombies machen.
Ist „Internet macht dumm / süchtig" eingetreten?
Teilweise — nicht so dramatisch wie befürchtet. Lesen hat sich verlagert (mehr Online, weniger Print). Studien zur Aufmerksamkeit sind gemischt. Die Apokalypse blieb aus.
Wovor hat man sich in diesem Geburtsjahr gefürchtet?
Vor welchem Weltuntergang hast du dich als Kind ein bisschen gefürchtet? Ein urera-Bericht zeigt die Prognosen, die eine Generation am Esstisch diskutiert hat — und sortiert ein, was davon eingetreten ist.
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