Prognose · Peak 2002 (1998-2010)
Mobilfunk- und Handystrahlung macht krank
Ab Ende der 1990er kam eine neue Angst auf: *Handystrahlung macht krank.* Magazine warnten vor Hirntumoren durch zu langes Telefonieren, Mütter verboten Kindern das Mobiltelefon am Ohr, in Schweden trugen manche Menschen Folie-Mützen. Studien wurden in Auftrag gegeben, Untersuchungen durchgeführt, Mobilfunkmasten von Bürgerinitiativen blockiert. Die *Interphone*-Studie der WHO untersuchte zehn Jahre lang über 5.000 Hirntumorpatienten und 5.500 Kontrollpersonen. Ergebnis: kein klarer Zusammenhang. Die WHO klassifizierte Mobilfunkstrahlung 2011 als *möglicherweise krebserregend* — derselben Kategorie, in der auch Aloe-Vera und eingelegtes Gemüse stehen. Die Krebsrate stieg in den letzten 30 Jahren nicht mit. Heute liegen weltweit über 8 Milliarden Handys im Umlauf, der Mensch ist sein eigener Sendeturm. Die grosse Welle der Hirntumoren blieb aus. Andere Wirkungen des ständigen Telefon-am-Ohr-Habens sind dafür diskussionswürdig.
In den fruehen 2000ern verkauften sich in DACH 'Schutz-Chips' fuer Handys (oft simple Plastikaufkleber) fuer 20-50 Euro pro Stueck — Verbraucherschuetzer warnten erfolglos vor dem Placebo-Geschaeft.
Mit der massenhaften Verbreitung von Mobiltelefonen ab Ende der 90er entstand die Sorge, elektromagnetische Strahlung verursache Hirntumore, Unfruchtbarkeit, Schlafstoerungen und 'Elektrosmog'-Symptome. Spaeter neu belebt durch 5G-Debatte.
Grossangelegte Studien (u.a. WHO INTERPHONE-Studie 2010, NTP-Studie 2018) zeigten keine konsistenten Belege fuer breite Gesundheitsschaeden bei Einhaltung der Grenzwerte. In DACH bleiben Buergerinitiativen gegen Sendemasten und 5G-Protestbewegungen aktiv. Die WHO klassifizierte Mobilfunkstrahlung 2011 als 'moeglicherweise krebserregend' (Kategorie 2B).
Übertrieben
Peak war 2002. Aus heutiger Sicht: übertrieben.
Zeit-Anker
Wer war 2002 dabei?
Wer in der Hauptphase von „Mobilfunk- und Handystrahlung macht krank“ das Schulalter erreicht hat, hat das im Sachunterricht oder im Wohnzimmer-TV erlebt.
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